Corona-Krise: Wie sieht es hinter den Kulissen der Medizinversorgung aus?

Als digitale Plattform und Pionierin/Befürworterin einer zukunftsfähigen und einfacheren Beschaffung ist Xatena durch die Corona-Krise mit europaweiten Anfragen beschäftigt und zieht wertvolle Erkenntnisse für die nationale wie auch internationale Supply Chain.

In Krisenzeiten ist meistens ersichtlich, ob sich ein bestehendes System und eingespielte Prozesse bewähren und wo noch Verbesserungspotential vorhanden oder Änderungen unumgänglich sind.


In der aktuellen Krise sind folgende Güter knapp und stehen zuoberst auf den Beschaffungslisten der Gesundheitsversorger: Schutzausrüstungen (Schutzmasken, Schutzmäntel, Schutzbrillen und Handschuhe für Operationen und Untersuchung), Investitionsgüter für die Intensivstationen (Beatmungsgeräte, CPAP Ventilation, SP02 Patienten Monitoring Systeme, Spritzenpumpen) sowie Desinfektionsmittel. Die WHO warnt vor Versorgungsengpässen. Die EU verbietet den Export von Material aus Europa heraus.

Das zuerst von der Krise betroffene China hatte bereits im Januar reagiert und für sich aufgekauft, was erhältlich war. Wie sieht die Lage Mitte März in den einzelnen europäischen Ländern aus?

  • Europas am stärksten betroffene Land Italien, weitet seine Suche nach Produkten international aus. Nebst den Krankenhäusern sind diverse staatliche Stellen und staatsnahe Betriebe in die Beschaffungen involviert. Der Druck ist hoch: Die Produktionsrate von Beatmungsgeräten wurde vervierfacht; Beatmungsplätze wurden bereits rationiert.
  • Der Deutsche Bund hat zur Abwehr der Epidemie Medizingüter im Wert von 205 Millionen Euro für das deutsche Gesundheitswesen eingekauft. Darunter überwiegend Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel. 10 Millionen Schutzmasken werden demnächst an die Gesundheitsversorger verteilt.Darüber hinaus hat der Bund bei der Medizintechnik Firma Dräger 10’000 Beatmungsgeräte bestellt.
  • Die Regierung im Nachbarland Frankreich beschlagnahmte Lagerbestände von Schutzmasken als auch die laufende Produktion. Die weitere Produktion wurde verstaatlicht.

  • In Portugal beschafft die Zulassungsbehörde Infarmed international Medizinprodukte zuhanden des portugiesischen Gesundheitswesens.
  • Schweiz definiert Fokus-Kliniken für den Corona-Virus. Die Schweiz hat viel zu wenig Beatmungsgeräte oder Intensivstation-Betten für diese Notsituation. Das Dilemma für die Schweiz ist die Abhängigkeit vom Ausland für den Bedarf von Schutzbekleidung und die Kapazitätsauslastung bei den Lieferanten.

Und so geht es weiter.

Die jetzige Lage und der Notstand zeigen europaweit auf, dass fehlende Transparenz herrscht und sich somit eine Informationsasymmetrie bildet, was wo tatsächlich gebraucht wird. Die Lieferketten in Europa sind auf Effizienz getrimmt und weniger auf Versorgungssicherheit. Was die Situation zusätzlich erschwert, ist das Durcheinander zwischen privatwirtschaftlicher Versorgung und staatlicher Intervention. In Krisen, wie dieser, übernimmt immer automatisch die nächste höhere Stufe die Koordination. Dies führt dazu, dass der Überblick noch schwieriger wird und sich weiter weg vom üblichen operativen Umfeld entfernt. Die begrenzte Verfügbarkeit dringend benötigter Güter in Kombination mit der Problematik, dass die Menschen in Verantwortung sich im Nachhinein nicht vorwerfen lassen wollen, sie hätten nicht alles in ihrer Macht stehende unternommen, führt im aktuellen Krisenmodus zur ineffizienten Verteilung der Ressourcen im Kampf gegen das Virus.

Aus den oben gemachten Beobachtungen erschliesst sich, dass Transparenz bei Nachfrage und Angebot extrem wichtig und insbesondere in Krisenzeiten nicht zu unterschätzen sind. Deshalb sollten bestehende Mittel wie Plattformen zur Erzielung dieser Transparenz gezielter genutzt werden.

In der Krise ist vor der Krise: Man wird Rückschlüsse ziehen. Insbesondere die Tatsache, dass eine globalisierte Wirtschaft und territoriales nationalstaatliches Krisenmanagement hochproblematische Gegensätze sind. Wenn dereinst die Bewältigung der Krise vorbei ist und Lehren gezogen werden, muss dieser Gegensatz auf den Tisch und die Chance, dass durch die Digitalisierung Transparenz hinsichtlich Angebot und Nachfrage über die Grenzen hinaus geschaffen werden kann, diskutiert werden.

Quelle: FT.com, T. Buck D. Ghiglione, European countries search for ventilators as virus cases surge, 15.03.2020, https://www.ft.com/content/5a2ffc78-6550-11ea-b3f3-fe4680ea68b5

Photo by Tim Cooper on Unsplash